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DIE ERFINDUNG


Das 19. Jahrhundert gilt als der Aufbruch in ein neues Zeitalter. Niemals zuvor waren so viele Erfindungen in kürzerer Folge und höherer Dichte gemacht worden, die das menschliche Leben vollkommen veränderten.
In der ersten Jahrhunderthälfte war es vor allem die Dampfmaschine, die einen radikalen Umschwung mit sich brachte. Von England ausgehend eroberte die Eisenbahn unsere Welt. Im Dezember 1835 weihte man in Deutschland die erste Eisenbahnlinie ein.
Im Jahr 1839 gab man eine andere umwälzende Erfindung bekannt: die der Photographie. Am 19. August 1839 hatte der Sekretär der französischen Akademie der Wissenschaften in Paris das unglaubliche Verfahren öffentlich gemacht, das nach seinem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre fortan “Daguerreotypie” genannt wurde.
Eine versilberte Kupferplatte mußte poliert und anschließend mit Hilfe von Joddämpfen lichtempfindlich gemacht werden. In eine modifizierte Camera obscura wurde die Platte eingelegt und belichtet. Um das zunächst nur latent vorhandene Bild hervorzurufen, mußte die Platte in einem besonderen Kasten Quecksilberdämpfen ausgesetzt werden. Das Quecksilber war dazu mit einem Spiritusbrenner zu erhitzen – eine äußerst gefährliche weil gesundheitsschädigende Angelegenheit. Nach dieser “Entwicklung” erschien das Bild und wurde mit einer Kochsalzlösung fixiert. Die Beschreibung klingt einfach, doch waren vom Nachnutzer der Erfindung zahlreiche Hürden zu
überwinden, um tatsächlich zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen. Belichtungszeiten und Einwirkungsdauer bzw. Konzentration der Chemikalien mußten von jedem selbst auf empirischem Weg ermittelt werden. Da die Belichtungsdauer noch viele Minuten betrug, konnten nur unbewegliche Gegenstände aufgenommen werden. Um das Verfahren auch zum Porträtieren nutzen zu können, bedurfte es erst noch zahlreicher Verbesserungen, die jedoch in relativ kurzer Zeit realisiert wurden.
Die französische Regierung machte mit politischem Kalkül die Daguerreotypie “der Menschheit zum Geschenk”. Daguerre erhielt eine lebenslängliche Pension durch den französischen Staat ausgezahlt.
In Windeseile verbreitete sich die märchenhaft anmutende Erfindung über den Erdball. Nie zuvor in der menschlichen Geschichte war es möglich gewesen, die Realität mit Hilfe einer Apparatur dauerhaft abzubilden.
Der große Wissenschaftler Sir John Herschel bezeichnete die Daguerreotypie als ein “wahrhaftes Wunder” und drückte damit wohl aus, was viele Menschen im Spätsommer 1839 in aller Welt dachten.

   
oben: Porträt des Erfinders Louis Jacques Mandé Daguerre, Illustration aus der "Illustrirten Zeitung", Leipzig 1851.

mittig: Quecksilberentwicklungskasten
für Daguerreotypien, Illustration aus dem Handbuch der Photographie von Anton Martin, Wien 1854.

links: Nach dem Entwickeln und Aufbringen einer schützenden Goldchloridschicht wurde die fertige Platte unter Glas gebracht und mit Papierstreifen versiegelt (hier von hinten gesehen). Bei unserem Beispiel handelt es sich um eine englische Daguerreotypie.

   
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